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"Verdammt, kann mir mal jemand sagen,
mit welchem s und an welcher Stelle
Assoziationsstrom geschrieben wird?!“ (F.K.T., Schüler)
Deutschunterricht in der Secundaria/Preparatoria
„Mit der Alliteration ‚beten – bereuen’ (Z.3)
verstärkt der Autor des Textes seine Aussage, dass Marie zu
ihrer Tat steht. Mehrfach wiederholt er den Wortbestandteil
‚trieb’ (Z.3-4), um ihre Tierhaftigkeit hervorzuheben. Dieselbe
Funktion hat die Metapher ‚heißes Blut’ (Z.5), die verdeutlicht,
wie wenig reflektierend Marie in ihrem Verhalten ist. Wenn er
das Wort ‚Glück’ in Zeile 6 in Anführungszeichen setzt, stellt
er den Glücksanspruch der jungen Frau in Frage. An dieser Stelle
würde ich den Autor gern fragen, welche Ansprüche an Glück er
denn für gerechtfertigt hält und was für ihn eigentlich Glück
bedeutet …“ Dies ist ein Ausschnitt aus der Arbeit einer Schülerin,
die im nächsten Jahr das Abitur ablegen wird. Vor fünf Jahren
noch saß sie in der Primero, im D3-Kurs, und kämpfte mit dem
Akkusativ und dem Dativ bei der Beantwortung der Fragen „Wo?“
und „Wohin?“ sowie mit den Anforderungen an eine Inhaltsangabe,
die nur 150 Wörter lang sein durfte. Dazwischen liegt ein langer
Weg.
Beschritten wird dieser Weg von den Schülern und Schülerinnen
gemeinsam mit ihren Deutschlehrern und –lehrerinnen zunächst
in drei Gruppen: D3, D2, D1. So lauten die offiziellen Bezeichnungen,
aber die alten Begriffe Fremdsprachen-, Bilingue- und Muttersprachengruppe
sind noch immer verbreitet. Diese überholten Bezeichnungen sind
nicht mehr zutreffend, denn die Gruppen setzen sich schon lange
nicht mehr aus Schülern und Schülerinnen jeweils mexikanischer,
mexikanisch-deutscher oder deutscher Herkunft zusammen. Deshalb
können alle Gruppen als Fremdsprachengruppen betrachtet werden,
fast alle Mädchen und Jungen erlernen bei uns Deutsch als Fremdsprache
und haben dieselben Schwierigkeiten, nur lernen die einen etwas
schneller oder können schon etwas mehr als die anderen. Unser
Ziel ist es, alle Schüler und Schülerinnen, egal in welcher
Gruppe sie einmal angefangen haben, zum Absolvieren des deutschen
Abiturs zu befähigen. Deshalb stimmen die Lehrer und Lehrerinnen
aller drei Niveaustufen ihre Unterrichtsinhalte und Klassenarbeiten
aufeinander ab und behalten immer das Ziel Abitur im Auge. Die
D3-Kurse beschäftigen sich neben den verschiedenen zu bewältigenden
Textsorten und Schreibformen intensiver als die anderen mit
der Grammatik der deutschen Sprache. Die D1-Kurse bewältigen
ein Programm, das weitgehend am muttersprachlichen Unterricht
in Deutschland orientiert ist. Dazwischen stehen die D2-Kurse,
sie stellen die Übergangsgruppe dar, bieten eine Vorbereitung
auf den Aufstieg in den D1-Bereich oder eine Auffrischung der
Grammatikkenntnisse nach einem Abstieg aus D1. Ein Wechsel der
Niveaustufen ist möglich, wenn entsprechende Leistungen vorliegen.
Er wird nach Absprache mit den betroffenen Schülern und Schülerinnen
und deren Eltern vollzogen.
Am Ende der Tercero entscheidet sich, wer in den Schulzweig
eintritt, der zum deutschen Abitur führt, und wer es bevorzugt,
den Weg zum CCH zu gehen.
Von der Primero bis zur Preparatoria sind die Deutschlehrer
und –lehrerinnen bestrebt, vielseitige Unterrichtsmethoden einzusetzen.
Manches muss frontal gelehrt werden, aber oft wird „geklippert“,
werden Gruppenarbeit, szenisches Interpretieren, Rollen- und
Planspiele und andere Formen des selbständigeren Lernens eingesetzt.
Dazu gehört auch der Email-Kontakt mit Schulklassen in Deutschland
oder die Einbeziehung von Computerlernprogrammen und -spielen,
die kritische Auseinandersetzung mit Informationen aus dem Internet,
die Analyse deutscher Filme und die Erarbeitung eigener Szenarien.
Ziel ist schließlich nicht „nur“ einfach die Beherrschung der
deutschen Sprache, sondern genauso die Förderung der Fähigkeit,
sich ein Urteil zu bilden, nichtsprachliche Kenntnisse anzuwenden
und Gedanken zu sehr komplexen Themen auch in der fremden Sprache
präzise auszudrücken. In dieser Hinsicht arbeiten die Lehrer
und Lehrerinnen des Fachbereichs Deutsch eng mit denen der Fachbereiche
Naturwissenschaften und Kunst zusammen.
Die von uns verwendeten Lehrbücher sind in Primero und Segundo
der Secundaria „Sowieso 3“ sowie die „Grammatik zum Üben 1/2“,
in Tercero/Secundaria und Cuarto/Prepa „Konzepte 1“ und in Quinto
und Sexto der Preparatoria „Konzepte 2“. In den D1-Kursen und
in den Klassen der Prepa, die zum deutschen Abitur führen, arbeiten
wir mit dem Lehrbuch „Blickfeld Deutsch“. In jedem Jahrgang
der Secundaria werden im zweiten Halbjahr Jugendbücher und Romane
auf Deutsch gelesen, in der Prepa lesen wir Literatur aus der
Zeit des 17. Jahrhunderts bis heute.
Einen wichtigen Gradmesser der Sprachbeherrschung stellt die
in der Tercero der Secundaria abzulegende Prüfung zum Sprachdiplom
der Stufe I dar, in der Quinto bzw. Sexto der Prepa folgt dann
das Sprachdiplom der Stufe II, das – wenn es denn erworben wird
– zu einem Studium an einer deutschen Universität berechtigt.
Seit Jahren bestehen 9 von 10 der Kandidaten unserer Schule
diese Prüfungen. Am 10. arbeiten wir hartnäckig.
Janka Mackowski (StR)
Fachleiterin Deutsch
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