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Spielend Deutsch lernen
letzte Aktualisierung: September 2008
Theater zur Verstärkung des DaF-Unterrichts
Leitung: Stefan Beyer
Henno – DaF-Schüler spielen eine deutsche Komödie aus dem 15.
Jahrhundert
Des Menschen Lust
ist flücht`ger Hauch
Und schwankt ohne Ruh…
Johannes Reuchlins Bauernschwank „Henno“ wurde in der Zeit
des Humanismus von Schülern auf Latein zur Verbesserung ihrer klassischen
Sprachkenntnisse deklamiert. 2008 spielen Humboldtschüler aus dem DaF-Unterricht
in Xochimilco eine Neufassung des Stücks auf Deutsch. Es schließt sich der Kreis
von den Anfängen des modernen Theaters in Europa zu den Theateraktivitäten der
deutschen Schule in Mexiko im 21. Jahrhundert. Und es macht obendrein noch Spaß,
den jugendlichen Zuschauern wie auch den Spielern.
Die Geschichte ist schnell erzählt: ein Bauer bestiehlt
seine Frau und vertraut das Geld seinem Knecht an, der wiederum daraus seinen
Vorteil zieht und am Ende die Tochter seines Herrn heiratet. Zwischendurch gibt
es noch eine Gerichtsverhandlung mit legalen Tricks, von denen heutige Juristen
sicherlich etwas lernen könnten.
Die deutsche Fassung von „Henno“ war im 15. Jahrhundert
sehr beliebt. Um die kurzen Szenen aufzulockern, wurden dazwischen Chorlieder
gesungen. Wir haben die Originalmusik behutsam überarbeitet und für ein kleines
Orchester eingerichtet. Die mal forschen, mal leise melancholischen Klänge
trugen maßgeblich zum Erfolg der vier Vorstellungen für Schüler aller
Klassenstufen in Xochimilco vom 6.-9. Mai 2008 bei.
Um den Nicht-Muttersprachlern den Zugang zum Rhythmus der
Dialoge zu erleichtern, haben wir unsere Neufassung des Stücks überwiegend in
Blankversen
geschrieben. Die gebunden Sprache erleichterte auch das
Auswendiglernen. Der Funke sprang über, die Spieler begeisterten ihr Publikum,
auch wenn kein Wort Spanisch gesprochen wurde. Die 11 Akteure und Musiker
stammen aus den Jahrgängen 1° de secundaria bis 5° de preparatoria.
Ein Mädchen aus dem Seiteneinsteigerzweig lernt gerade mal im zweiten Jahr
Deutsch und spielte ihre zwei Rollen mit beeindruckender Leichtigkeit.
 Die prächtigen Kostüme wurden uns freundlicherweise, wie
bereits im vergangenen Jahr, vom Instituto National de Bellas Artes
zur
Verfügung gestellt.
Nun dürfen die Flöten und Trommeln des „Marsengotts Apolls“
in Xochimilco nicht mehr verstummen.
Stefan Beyer
Undine
Undine ist auf den Grund der Donau verbannt worden. Dort muss sie den Rest ihrer Tage weinend verbringen,
weil ihr geliebter Gemahl, Prinz Hans sie betrogen hat und von den Wassergeistern in der Wanne erdrosselt wurde.
Traurig sitzt sie mit ihrem riesigen Flossenschwanz auf der Bühne und rezitiert:
UNDINE:
Morgen so hell
Blumen so bunt
Gräser so duftig und hoch
An wallenden Sees Gestade!
Was zwischen den Gräsern
schimmert so licht?
S’ist eine Blüte weiß und groß
Vom Himmel gefallen in Wiesenschoß! |
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Die Verse stammen aus Friedrich de la Motte-Fouqués Undine; dem bekannten romantischen Märchen.
Paulina, die Darstellerin ist im ersten Jahrgang der Secundaria am Plantel Xochimilco und hat ein Jahr
lang in der Theater AG auf die Aufführung von Undine, einer freien Adaption des Themas, hingearbeitet.
Neben den Grammatik-Übungen und den einfachen Lektüren des Deutschunterrichts D2 hat sie es auf sich genommen,
ein Stück deutsche Erzähl- und Bühnenliteratur zu verstehen, auswendig zu lernen und in vielen Proben
phonetisch zu üben und szenisch umzusetzen. Bei alledem hatte sie viel Freude mit ihren Kameraden und am
Ende des Schuljahres ebenso viel Erfolg bei den beiden Aufführungen von Undine in der Secundaria Xochimilco.
An dem Projekt, einer der neu eingeführten Pflicht-AGs, nahmen neben Paulina noch 14 weitere Schüler aus
Tercero teil.
Die Arbeit war geprägt von Begeisterung und Phantasie. Bevor die jungen Spieler nach Weihnachten 2006 mit der Textarbeit
und den Proben für Undine begannen, hatten sie mehrere Wochen viel Spaß mit szenischen Spielen, Improvisationen,
sowie Stimm- und Bewegungsübungen. Dabei lernten sich die Teilnehmer des Kurses allmählich besser kennen,
sowie gegenseitig schätzen und akzeptieren.
Die Aufführung wurde nicht nur von den Darstellern getragen,
sie wurde zudem optisch unterstützt von einem prächtigen, gut 30 m2 großen Bühnenbild, das zeitgleich von der
AG pintura mural konzipiert und bemalt wurde. Bellas Artes stellte darüber hinaus prächtige Kostüme aus seinem
Fundus zur Verfügung, nebst einer Reihe von Requisiten. Um keine Monotonie aufkommen zu lassen, waren die Szenen
eingebettet in Musik, teils vom Band, teils live.
Undine ist das zweite erfolgreiche Theater-Großprojekt für Deutsch als Fremdsprache an unserer Secundaria
in den vergangenen drei Jahren. Im November 2004 hatte in der Projektwoche eine Gruppe von
Primero und Segundo
Schülern eine selbst entwickelte Szenenfolge zu Vorurteilen über Mexikaner und Deutsche der Schule vorgestellt und dabei viel Applaus geerntet.
Das nächste DaF-Theaterprojekt ist bereits in Arbeit und wird im kommenden Frühjahr zu bewundern sein.
Stefan Beyer
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